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| Adolf Hitlers Mein Kampf. Eine kommentierte Auswahl von
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Adolfnazi im Original - stark gekürzt und sinnvoll kommentiert
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Soll man "Mein Kampf" komplett frei verfügbar machen? Wird das "Gift" dann nicht wieder wirken? Doch was ist mit der Meinungsfreiheit, und haben die Demokratie und Völkerfreundschaft nicht sowieso die ganz klar besseren Argumente, allem nationalistischem Gekrähe zum Trotz? Eine schwere Frage. Christian Zentner ist sie 1974 mit dem Mittelweg dieser stark durchkommentierten und gekürzten Ausgabe angegangen, was damals auch deutliche Kritik auslöste.
2015 laufen, heißt es, die vom Freistaat Bayern gehaltenen Urheberrechte aus. Wer bis dahin nicht warten möchte, um sich ein eigenes Bild zu machen, hat einige Möglichkeiten: Augenschmerzen beim Lesen irgendwo im Netz, womöglich in einer obskuren Übersetzung; den "Giftschrank" einer wissenschaftlichen Bibliothek als sachlich Interessierter; Flohmarkt unterm Ladentisch ... oder, und das wäre meine ausschließliche Empfehlung, ebendiese Ausgabe.
((Ein Historiker natürlich wäre gehalten, immer selbst das Original einer Quelle zu lesen. "Autopsieprinzip" nennt sich das. Daher ist selbst diese Ausgabe für wissenschaftliche Arbeiten bestenfalls ein Einstieg, doch auch schon ein guter.))
"Mein Kampf" wird man jedoch gerade als Nichthistoriker leider nur mit einordnender Kommentierung verstehen. Hitler schrieb es nach seinem völlig gescheiterten Münchner Feldherrnhallen-Pütschlein in bequemer Festungshaft 1924 nieder. "Mein Kampf" erschien 1925/26 auf rund 800 Seiten. Hitler spielt an, klaut Gedanken, belegt nichts, vor allem: behauptet einfach dreist völlig Absurdes. Wer da nicht mit guten Fakten versehen ist, wird bestenfalls nichts vom Lesen haben und die Brisanz nicht verstehen, schlimmstenfalls Hitlers teils haarsträubenden Unfug (sorry, ist so) auch noch glauben. - Das heißt, die Lektüre des Propagandabuchs sollte schon gut vorbereitet sein. - Übrigens: nur für einen Schauder des Verbotenen ist schon das Lesen der bei Zentner abgedruckten Hitler-Passagen eine pure Zeitverschwendung, da diese einfach tumb sind.
Christian Zentner hat mit seinem Vater Kurt wie auch alleine zum Nationalsozialismus intensiv geforscht. Er liefert die Einordnung, gibt Daten, weist auf Hitlers lockeren Umgang mit Quellen hin. Seine Kommentare und Zusammenfassungen nehmen damit im Buch schätzungsweise einen größeren Raum ein als das Original. Und das ist auch gut so, damit eben auch etwas verstanden wird.
Die Auswahl Zentners zielt nach eigener Aussage darauf ab, neben dem Autobiographischen vor allem die Ankündigungen des Werks anzureißen. Die wurden damals zumeist nicht ernst genommen, sorgten aber durch Krieg und Ermordungen letztlich für rund 55 Mio. Tote.
Fazit: wenn überhaupt lesen, dann in einer kommentierten Ausgabe, also dieser hier.
Eine Rezension von Serenus Zeitblom > Köln, Europa
vom 7. Mai 2009 | | |
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